Aurich

Aurich Lilienstraße

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Die Stadt Aurich hat die Lilienstraße voll gesperrt, weil der Giebel eines Hauses einzustürzen droht, das grade saniert wird.1 So weit, so sinnvoll.

Mir kommen da allerdings zwei Gedanken:

Er [der Eigentümer] geht davon aus, dass das Gebäude abgerissen werden muss. Das letzte Wort hat der Denkmalschutz.2

Wenn ich jetzt bösartig veranlagt wäre, könnte ich sagen, dass das doch wirklich ein praktischer Zufall ist…

Wirklich toll wird's aber, wenn man sich die aktuelle Verkehrsführung in der Ecke ansieht:

Auszug aus OpenStreetMap (Marktstraße - Norderstraße - Lilienstraße)
Auszug aus OpenStreetMap (Marktstraße - Norderstraße - Lilienstraße)

Wie man sieht, ist die Marktstraße/Lilienstraße hier, ebenso wie die Nürnburger Straße, eine Einbahnstraße, während die Norderstraße - hier grün - ebenso wie der Marktplatz als Fußgängerzone ausgewiesen.

Die Sperrung - hier rot - führt nun aber dazu, dass die Einfahrt zum Parkplatz der Volksbank zwar eine Zu-, aber keine Abfahrt hätte. Um das zu verhindern, hat man - so die Tageszeitung - die Einbahnstraßenregelung aufgehoben:

Die Einbahnstraßenregelung ist so lange aufgehoben, damit zum Beispiel die Raiffeisen-Volksbank weiter erreicht werden kann.2

Was Autofahrer naturgemäß wenig bis nichts kümmert, fahren tun sie über den Marktplatz.

Das hat wohl auch die Stadt Aurich gemerkt, weshalb sie die geänderte Straßenführung ganz anders Murks ausgeschildert hat:

Aurich: Blick in die als Umleitung ausgeschilderte Fußgängerzone vom Marktplatz aus

Ja, die Stadt Aurich leitet durch die Fußgängerzone um. Glücklicherweise stehen wenigstens etwa auf halber Strecke rechts und links Poller, an denen sich Autofahrer nicht schnell vorbeitrauen.

Nett wäre natürlich gewesen, wenn die Schilder "Umleitung" und "Fußgängerzone" sich nicht irgendwie widersprechen würden. Wenn man dann noch bedacht hätte, dass vom Fahrverbot zum ach so wichtigen Parkplatz noch knapp hundert Meter sind...

Da hiermit die Zufahrt zum Parkplatz eigentlich komplett dicht ist, hätte man sich die Umleitung auch ganz sparen können, für die paar Einwohner auf der Marktstraße hätte die aufgehobene Einbahnstraße massig genügt. (Abgesehen davon, dass Umleitungen durch Fußgängerzonen sowieso Unsinn sind, zumal in Städten wie Aurich, wo sowieso nicht übermäßig viel Verkehr ist)

Besonders schön ist die Umleitung, wenn man vom ZOB aus durch die Fußgängerzone will:

Aurich: Blick in die als Umleitung ausgeschilderte Fußgängerzone vom ZOB aus

Man sieht *nichts* davon, dass das (vorübergehend) keine "richtige" Fußgängerzone mehr ist - entgegenkommende Taxis und Lieferverkehr gibt es ja immer. Man hat also daran gedacht, eine Umleitung für Autos zu schaffen, nicht aber daran, irgendwie kenntlich zu machen, dass man jetzt auch in der Fußgängerzone aufpassen muss, nicht überfahren zu werden.3

Wenn das keine professionelle Verkehrsplanung ist.


Übrigens, ein Wörtchen zum Upstalsboom

Wie berichtet, soll der Upstalsboom als Erinnerungsstätte für die mittelalterliche Friesische Freiheit und Ausflugsziel attraktiver werden. Unter anderem wird der Parkplatz vergrößert.4

Das ist garantiert *der* Weg, eine Erinnerungsstätte attraktiver zu machen.


  1. Kann natürlich auch nicht dran liegen, dass man - z.B. beim benachbarten Gebäude - teilweise den Boden der Gebäude rausreißt und sie damit 10-20 Zentimeter tiefer legt. Aber was weiß ich schon.
  2. Heino Hermanns: Der Denkmalschutz hat das letzte Wort. In: Ostfriesische Nachrichten, 20.02.2018
  3. *Das* kannte ich bislang nur aus Wolfsburg, selbst in Hannover hatte ich die Befürchtung nie.
  4. Allee am Upstalsboom lichtet sich. In: Ostfriesische Nachrichten, 20.02.2018